Leitvers

Jesus sagte: "Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der irrt nicht in der Finsternis umher, sondern wird das Licht des Lebens haben." Joh. 8, 12

Doris Brönnimann

Doris wird gesund werden (Lukas 8,50)

Einige von Euch kennen mich bereits. Ich heisse Doris Brönnimann und bin 20 Jahre alt. Ich begann eine Lehre als Praxis-assistentin. Durch die Magersucht war ich ca. 4 Jahre gefangen in den Klauen des Todes (Psalm 116,3). Wegen eines 4-monatigen Spitalaufenthalts und des darauf folgenden Rückfalls wurde mein Lehrvertrag aufgelöst.

Ich litt unter der Trennung meines Freundes Michael. Er bedeutete mir doch so viel. Doch auch ihn liess ich nicht mehr an mich heran. Ich verbot ihm jeden Kontakt mit mir.

Mein Leben drehte sich nur noch um die Anorexie. Mühsam, aber fest entschlossen wurde ich Gramm für Gramm leichter. Zuerst war es ein Erfolgsgefühl, wenn die Waage weniger anzeigte: Von 55 kg auf 47 kg = leicht untergewichtig…super, Doris du bist gut! Immer mehr verlor ich meine Person. Die Kleider hingen an mir, wie an einer Schaufensterpuppe. Auch mein Blick wurde immer düsterer und lebloser. Mein Gesicht war blass, eingefallen und dunkle Ringe bildeten sich um meine Augen. Mein Leben wurde zu einer Qual. Deshalb kam ich im November 2005 mit 35 kg ins El Rafa. Angst vor dem Grab überfiel mich, ich war völlig verzweifelt (Psalm 116,3). Ich wollte durch das Hungern hart werden und meine Gefühle abschalten. Dazu habe ich in mein Tagebuch geschrieben: „Ich habe Angst, meine Seele erstarrt, plötzlich verstummt sie gänzlich. Meine Seele ist mehr tot als lebendig. Ich kann und will nicht mehr fühlen, nicht mehr denken, meine Gedanken sind wirr!“

Oft musste ich am Abend im Bett weinen. Durch mein Leben trug ich einen tiefen Schmerz mit vielen Ängsten mit mir herum, welche mich vor allem in der Stille bedrohten.

„Und Gott wird dir alle Tränen von deinen Augen abwischen!“ (Offenb.7,17). Auf was wartete er denn noch? Durch die Konzentration aufs Essen konnte ich diesen tiefen Schmerz verdrängen. Alle meine Kräfte setzte ich nun zum Abnehmen ein. Eine strenge innere Stimme befahl mir immer mehr was ich tun musste und was ich zu lassen hatte. Sie sagte mir: „Du bist es nicht Wert, etwas Gutes zu essen.“ Nicht einmal einen Apfel konnte ich in Ruhe zu mir nehmen. Manchmal musste ich sogar nachts wieder aus dem Bett steigen, auf den harten Boden liegen und Übungen machen. Dabei war ich doch so müde…“Du darfst nicht ruhen, du fauler Sack. Reiss dich gefälligst zusammen!“ Wenn das Hungergefühl unerträglich wurde, durfte ich an einem Apfel knabbern oder Watte essen. Mein Körper schmerzte beim Sitzen, beim Liegen und beim Gehen. Ich hatte Muskelkrämpfe, Haarausfall, Osteoporose und dauernd fror es mich. Nur noch drei Äpfel und Salat mit etwas Essig und fast schwarzen Kaffee, erlaubte mir die Stimme. „Es muss ungeniessbar sein! Was dir gut tut ist verboten! Werde nicht schwach, du MUSST hart sein, perfekt sein, alles im Griff haben!“ So wurde ich immer schwächer, konnte keinen Kontakt mehr aufrecht erhalten. Immer häufiger sackte meine Körpertemperatur auf 34°C herunter. Hanni Stettler bettete mich mit Decken und Wärmeflaschen vor dem Kaminfeuer ein. „Wehr dich, du darfst nicht warm bekommen! Du schaffst das selber!“ Vor Kälte und Schwäche war ich nicht mehr imstande mich nachts umzuziehen! Ich trug ununterbrochen 3 paar Strumpf-hosen, Jeans, 3 paar Pullis, 2 paar Socken, manchmal noch die Winterjacke drüber… Was nie fehlen durfte war die Wärme-flasche. Trotzdem war die Temperatur nie über 35,5°C. Endlich, bald war es soweit und diese Qualen würden ein Ende nehmen. Ich schrieb mit schwacher, zittriger Hand einen Abschiedsbrief und wartete auf das Einschlafen ohne Aufwachen.

Im Januar 2005 schrieb ich: „Mein Leben ist mühsam, ich glaube gar nicht richtig zu leben. Ihr alle seid so weit weg von mir, und mit der Zeit entferne ich mich auch von mir. Manchmal habe ich fast keine Kraft mehr etwas zu tun… aber ich gebe nicht auf, ich kämpfe weiter. ICH WILL LEBEN!!! Und nicht gelebt werden!“

Eigentlich habe ich mich aber doch aufgegeben, denn ich war dem Tode näher als dem Leben. Voller Angst bat ich Jesus, mich zu sich zu nehmen, trotz meiner vielen Fehler. Da schrie ich laut zum Herrn, ich flehte ihn an: „O Herr, rette mein Leben!“ (Psalm 116,4). Ich hasste mich so sehr für mein Versagen. Ich strengte mich doch so an, ein perfekter Christ zu sein.

Ich hatte wenig Verständnis für Menschen mit Problemen. Vor allem Magersüchtige fand ich extrem minderwertig. Ihre Gedanken konnte ich einfach nicht verstehen.

Mein Selbstwert war unter Null. Alle Men-schen, ich selbst und vor allem Jesus muss-ten mich hassen. Unter solchen selbst-zerstörerischen Umständen durfte ich nicht mehr geliebt werden. „Nein, das geht nicht! Oder war ich noch nicht genug knochig?!“ Nur noch auf diese hässliche innere Stimme, welche mich in den Tod drängen wollte, musste ich hören. Mit aller Kraft befahl mir der Feind zu beweisen, dass ich nichts Gutes an mir habe. Ich musste mich verletzen, abtrainieren, hungern, weglaufen… doch meine Familie, Stettlers, meine Freundin, Michael, andere und Jesus gaben mich nie auf. Auch von meiner Gemeinde wurde ich im Gebet getragen.

Ich wurde 2x ins Spital Münsingen auf den Notfall gebracht. Einmal war es, weil ich ca. 25 Tabletten geschluckt hatte. Diese Schmerzen… ich konnte nur noch piepsen vor Schmerzen… mein Körper wurde immer schlapper… konnte am Monitor sehen wie mein Puls immer tiefer sank… 60, 55, 50, 45, 40… mir wurde schwindlig… das Gerät piepste… eine Schwester beugte sich über mich… es wurde schwarz… ich hatte Angst… sehnte mich nach einem Ende dieses Überlebenskampfes!… war es jetzt soweit?! Halblebendig, kaum an-sprechbar, regungslos lag ich jene Nacht im Spitalbett, als die Ärzte über mich aus-tauschten: „Das Mädchen soll doch einfach leben.“ Dieser Satz berührte mich, durfte ihn leider nicht an mich heran las-sen. „Nein, du darfst nicht leben!“ häm-merte es in meinem Kopf.

Kurz darauf hin wieder im El Rafa, kam der Tiefpunkt und die Wende. Trotz meiner mehrschichtigen Bekleidung sackte meine Körpertemperatur wieder zusammen. Vor Kälte konnte ich mich nicht mehr be-wegen, nicht mehr sprechen und kaum mehr atmen. Ihr könnt euch nicht vor-stellen wie furchtbar das ist, diese Panik!! „Sterbe ich jetzt? Ist das nur ein böser Traum? Was passiert mit mir? Herr siehst du mich?“ Ich glaubte wirklich zu sterben. Meine Rettung: ich hörte Matthias Stettler heimkommen. Er war im Flur… ich riss alle meine Kraft zusammen um ihm zu rufen; aber was war das? Ich brachte keinen Laut von mir, konnte nur noch flüstern. Tränen liefen meine Wangen runter! Mein Atem wurde schwerer und die Kälte unerträglich. Ich traute meinen Augen nicht… Matthias öffnete wie von Gott geführt die Türe und trat in mein Zimmer. Er fand mich halberfroren auf dem Fussboden. Da nahm meine Sucht die Wende. „Jesus schenke mir deine Liebe, damit ich wieder leben kann. Durchfliesse meinen Körper mit deiner Wärme, damit ich mich wieder bewegen kann.“ Ich liess mich, zwar oft unter Tränen und mit vielen inneren Kämpfen, aufpäppeln. Nach vielen Gesprächen mit manchem Hoch und Tief erlebte ich Veränderungen und konnte in der folgenden Zeit 14 kg zunehmen. „Ich war in grosser Gefahr, doch der Herr hat mir herausgeholfen! Ja, er hat mich vor dem sicheren Tod errettet. Ich darf am Leben bleiben, in seiner Nähe.“ (Psalm 116,6.8.9). Auf einmal konnte ich fühlen, wie sehr mich Jesus liebt. Und wie sehr es ihn schmerzt, mich leiden zu sehen. Ich darf erfahren, wie mein tiefer Schmerz immer mehr von Jesus geheilt wird. Er hat mich von den massiven Zwängen befreit. Der Herr hat mir neue Lebensfreude geschenkt. Wenn wieder Anfechtungen kommen, esse ich zu Gottes Ehre. Der Herr hat für mich gesorgt, auch als ich mich aufgegeben hatte. Er war immer da, auch wenn ich ihn nicht fühlen konnte. Aber ich habe es immer gewusst. Ich durfte lernen im Glauben zu vertrauen, Jesus näher zu kommen, aber auch anderen Menschen gegenüber demütiger zu werden. Und zu all dem Segen, den ich erfahren durfte, hat mir Jesus meinen Freund Michael neu geschenkt. Wir trennten uns am 05.02.2003 und fanden genau am 05.02.2005 wieder zusammen. Er ist sehr geduldig und verständnisvoll. Jesus steht im Mittelpunkt unserer Beziehung und leitet uns. Ich kann die unendlich grosse Liebe von Jesus zu uns, auch zu mir, fast nicht fassen. Unser Vater ist so barmherzig und vergibt uns unsere Schuld. „Ich sah deine Taten genau. Und doch will ich dir wieder zurecht helfen und dich führen. Dich will ich trösten; ein Freudenlied lege ich dir in den Mund.“ (Jesaja 57,18.19). Alle Ehre sei unserem Heiland.

Nun bin ich bereits mehrere Monate zu Hause. Am meisten leide ich noch unter meinem Lehrstellenabbruch; meinem Körper, der noch viel Aufbau an Muskeln, Knochen und der ausgedorrten Haut braucht; meiner panischen Angst vor Kälte; meinem Schmerz versagt zu haben; dem Kampf ums Essen; den Wunden, welche diese Zeit in der Familie, bei Michael und Gott hinterlassen hat. Am 18. Mai durfte ich, Gott sei Dank, meinen 20. Geburtstag feiern.

Von Herzen freue ich mich auf meine Zukunft, auf eine Familie und darauf, wieder Doris zu sein. Michael und ich dürfen immer wieder spüren, dass wir getragen sind. Es liegen noch viele Herausforderungen vor mir. In allem will ich mit Gottes Hilfe rechnen und bin auch dankbar für eure Gebete.

„Er weiss genau, was ihr alles braucht. Sorgt ihr euch vor allem um das Reich Gottes, dann wird euch Gott alles andere geben. Du kleine Herde, du brauchst keine Angst vor der Zukunft zu haben! Denn dir will der Vater sein Königreich schenken!“ (Lukas 12, 31.32).

Umfrage

Glauben Sie an Jesus Christus als Ihren persönlichen Erlöser?

View Results

Loading ... Loading ...

Ihre Werbung

Gewinnspiel